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 Heiliger Geist mit den gebrochenen Flügeln

Heiliger Geist mit gebrochenen Flügeln (c) Uta MöhlerHeiliger Geist mit gebrochenen Flügeln (c) Uta Möhler

Eines Tages stürzte mit einem großen Knall meine Heilig-Geist-Taube ab. Die Halterung hatte sich gelöst und so fiel sie ziemlich unsanft auf meinem Boden. Sie brach sich dabei beide Flügel. Der Strahlenkranz, der sie bisher umgab, wurde zerschmettert. Was sollte ich nun mit so einem gehandicapten Heiligen Geist tun? Ich betrachtete ihn lange und schwankte zwischen Entsorgung und Rettung. Er war ein Geschenk meiner früheren Kirchengemeinde, somit kam eine  Entsorgung für mich nicht in Frage. Der Strahlenkranz war nicht mehr zu retten, aber die Flügel konnte ich reparieren. Dabei sind mir so einige Gedanken durch den Kopf gegangen:

Wer kennt das nicht aus seinem eigenen Leben: Eine unsanfte Landung und hängende Flügel, Höhenflüge und Abstürze...

Ich beschloss meinem abgestürzten Heiligen Geist einen neuen Kranz zu basteln. Hildegardisch geprägt beinhaltet der neue Kranz die Symbolik der Dreifaltigkeit und die vier Elemente. Die Grünkraft (viriditas) darf nicht fehlen, sie ist ein  kraftvoller und lebensbejahender Begriff bei Hildegard von Bingen.

Wäre meine Heilig-Geist-Taube nicht abgestürzt, hätte ich mich nicht daran gewagt sie zu verändern. Aus gebrochenen Flügeln (oder Brüchen in Lebensbiographien) kann etwas Neues entstehen.  (Uta Möhler)

 

O edelstes Grün,
das wurzelt in der Sonne
und leuchtet in klarer Heiterkeit,
im Rund eines kreisenden Rades,
das die Herrlichkeit des Iridischen nicht faβt:
Umarmt von der Herzkraft himmlischer Geheimnisse,
rötest du wie das Morgenlicht
und flammst wie der Sonne Glut.
Du, Grün,
bist umschlossen von Liebe.

Hildegard von Bingen

 

Pfingstsequenz

Komm herab, o Heil‘ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not,
in der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.
Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.

Amen. Halleluja.